statement

In der medialen Gegenwart sind die Grenzen zwischen Öffentlichem und Privatem, zwischen Außen und Innen, Politischem und Gesellschaftlichem, kommerziellen und nicht-kommerziellen Bereichen längst nicht mehr klar gezogen. Alles ist mit allem verknüpft. Niemand kann sich der globalisierten Welt und ihren Fallen entziehen. Und wenn es eines im Überfluss gibt, dann sind das Bilder. Selfies, Weltansichten, Dokumentationen überschwemmen uns und verlöschen im selben Moment.

Was neben den flüchtigen Bildern und Zeichen der Instagram- und Snap-Chat-Welt fehlt, sind wirksame Bilder und Bildräume, die es vermögen, eindringlicher oder langfristiger den Blick auf sich zu ziehen und gesellschaftlich bedeutende Aspekte des Wirklichen aufzuzeigen. Es fehlen Bilder, die nicht von oben herab kritisieren, provozieren oder agitieren, sondern die offen für andere sind, die anhaltend differenzieren, die ins Denken bringen. Es fehlen künstlerische Projekte, die die alltäglichen Wirklichkeitskomplexe durchqueren, sie zerschneiden, die mitten im Sichtbaren die Oberflächen aufreißen und unbekannte Dimensionen eröffnen.

missing icons sind sichtbare Blickgrenzen, greifbare Objektauflösungen und unsichere Übergänge. Sie öffnen das Wirklichkeitsgefüge als Reliefs und Schwellen, Zwischendimensionen von Bild, Schrift, Objekt und Raum. In ihnen klappt Wirklichkeit temporär oder – vorzugsweise – dauerhaft auf. Sie wird ein- oder ausgefaltet und zeigt sich unerwartet in ihrer unerhörten Dichte und Ambivalenz. Es entstehen poetische Bilddenkräume, die ästhetisch verlocken und theoretisch verstören. Oder umgekehrt, je nach Perspektive.