Rolihlahla | Troublemaker | Unruhestifter

Mikroskulptur |  öffentliche Fassung | mikropolitischer Prozess

1. Platz
Kunstwettbewerb Nelson-Mandela-Platz
Stadt Nürnberg – Hochbauamt

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„Rokihlahla“ | Modell | Fotografie Nicole Matschoss

 

Entwurf März 2016
Realisierung 2018|19

art 07|2016
Die Welt | 29.04.2016
Wettbewerb

 

Rolihlahla = pulling the branch of a tree = troublemaker =
Unruhestifter war der erste Vorname Nelson Mandelas.
Das gleichnamige Kunstprojekt beginnt mit der Suche nach einer besonderen Mikroskulptur: In Südafrika wird ein wertvoller, klarer Rohdiamant mit Einschlüssen angekauft, die für die Verarbeitung in lupenreine Brillanten störend und wertmindernd wären. Sie sind Spuren von Jahrmillionen Erdgeschichte, in denen er adamantem (gr. unbezwingbar) verdichtet entstanden ist.

Für seine öffentliche Präsentation auf dem Nelson-Mandela-Platz wird der ca. 1,5 cm messende Diamant in einen 183 x 62 x 28 cm großen, optisch klaren Acrylglasblock eingegossen. Das Glas umfasst den Luftraum einer an Nelson Mandelas Körpermaßen orientierten, hochkant stehenden Box. Der atomare Aufbau von Acrylglas entspricht, wie der von Glas, vereinfachend gesagt, dem einer Flüssigkeit, so dass der Diamantkristall in einer vor der Kristallisation erstarrten Flüssigkeit schwimmt und von allen Seiten ansichtig ist.

Die Wahl des Aufstellungsorts bildet den Anfang eines mikropolitischen Prozesses: Er wird mit dem Landschaftsarchitekten Rainer Schmidt unter Berücksichtigung der auf den Aufstellort hin entstehenden Trampelpfade quer durch die Rasenfläche  gesucht. Mit der Aufstellung des 500 kg schweren, makellosen Acrylglasquaders auf dem Platz wird der Diamant dann in die Verantwortung der Nürnberger Stadtgesellschaft und in die Hand der Bürger/innen übergeben.

Er wird zum einen Kunstinteressierte und Schaulustige an den Galgenhof in die Südstadt ziehen, zum anderen Menschen, die ihn besitzen oder die Präsentation zerstören wollen. Der Diamant im Acrylblock provoziert ein Wechselspiel von respektvoller
Annäherung und Begehren, zerstörerischem Angriff und der Abwehr der Angriffe. Es ist aufwändig, aber möglich, die durch Kratzen, Schaben oder Hämmern entstandenen Schäden an der Acrylglasummantelung auszubessern.

Der Diamant auf dem Platz ist ein Rolihlahla, ein produktiver Unruhestifter: Die sich auf dem Acrylglasblock abzeichnenden Spuren spiegeln die Konflikte bei der Formulierung, Auslegung und Durchsetzung universeller Menschenrechte und Werte wider. Sie sind nie final gegeben. Auch der Diamant ist als Wert abstrakt und zugleich einmalig und real. Er erscheint greifbar nah und bleibt doch unerreichbar. Sein Schutz ebenso wie der Erhalt seiner Sichtbarkeit und Wirksamkeit ist aufwändig und endet nie.