Das Wesen der Verpackung

Sammlung | Transformationsprozess | Performance | Ausstellung

1. Platz
Projektwettbewerb
Fondazione da Mihi | Bern | CH

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„Das Wesen der Verpackung“ | Fotografie missing icons

 

Realisierung Februar | März 2016
Galerie da Mihi | Bubenbergplatz 15 | CH – 3011 Bern

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Das Wesen der Verpackung verkoppelt die Kunststoffverpackungsüberproduktion des globalen Warenmarkts mit der Produktion von hochpreisigen Kunstobjekten für den globalen Kunstmarkt. Das Projekt wurde von der Berner Fondazione da Mihi gefördert und fand in den Räumen der Galerie da Mihi sowie im Stadtraum Bern statt. Es begann mit der Sammlung der Ausgangsobjekte: entleerte, nutzlos gewordene Getränke-verbundstoffkartons. Sie wurden im Anschluss in Kunst verwandelt: Indem ihr Inneres nach Außen umgekehrt, umgestülpt wurde, entstanden aus den geometrischen Kartons eigenartige, wesenhafte Gebilde. Diese Verpackungswesen wurden in verschiedenen Posen fotografiert. Zuletzt wurden die umgestülpten Objekte in einer öffentlichen Performance vom Balkon der Galerie zurück in den Stadtraum geworfen, dort später eingesammelt und dem Recycling zugeführt. Im Galerieraum verblieben sie als mediale, auf Wunsch re-materialierbare Spuren: Aus einem digitalen Archiv können die einzelnen Motive aufgerufen und on demand als Fine-Art-Ausdrucke erstanden werden.

In jedem Haushalt fallen täglich Mengen an leeren, verbrauchten, überflüssigen Verpackungen an. Insbesondere hochwertige Verbundstoffe werden zu Abfall. Von den in Deutschland verbrauchten Verbundstoffgetränkekartons, weltweit nach dem schwedischen Original Tetra Pak genannt, werden lt. aktuellen Studien nur ca. 36 % dem Recycling zugeführt. Der Rest wird zumeist verbrannt, d.h. Herstellungsenergien, Transportenergien und kurzer Gebrauchswert lösen sich in Schadstoffemissionen auf. In der Schweiz fällt die Bilanz noch schlechter aus, weil die Kartons bislang nicht landesweit gesammelt werden und nur einzelne Sammel-Pilotprojekte des vom Schweizer Tochterunternehmen Tetra Pak angestoßenen, industrienahen Vereins Getränkekarton-Recycling laufen.

Zugleich steigt die Nutzung der von der Industrie als „ökologisch“ beworbenen Verpackungen weltweit, da sie durch ihre – auf die in ihnen abgefüllten Flüssigkeiten abgestimmten – Verbundstoffe eine lange Haltbarkeit bei geringem Eigengewicht und normierter, raumsparender Form bieten. Entleert können sie relativ flach zusammengefaltet und entsorgt werden. Allerdings wirkt gerade ihre komplexe Struktur negativ auf ihre Ökobilanz zurück: Sie bestehen durchschnittlich nur zu 63 % aus Papier, zu 23 % aus Kunststofffolien, zu 4 % aus reinem Aluminium und zu 10 % aus einem Plastikschraubverschluss. Fazit: Tetra Paks sind ökonomisch, in der Ökobilanz aber allen Mehrwegverpackungen dramatisch unterlegen.

Arbeitsprozess
Die Bürger/innen der Stadt Bern wurden gebeten, geleerte Getränkeverpackungen aus Verbundstoffen (Tetra Paks) aufzuheben und in der Galerie da Mini abzugeben. Die Sammler/innen wurden eingeladen, bei der anschließenden Umarbeitung der Getränkekartons zu Kunst zuzusehen oder mitzuhelfen. Dabei entwickelte sich die Galerie zum Gesprächsraum, in dem der alltägliche Anfall von Abfall, das paradoxe Sammeln unbrauchbar gewordener Verpackungen und das aufwändige, mühselige Umwenden der Verpackungen Gesprächsanlässe boten, während parallel der wertlose Kartonberg in wertvolle, silbrig, weiß oder bräunliche schimmernde Objektkunst verwandelt wurde. Im Nebenraum wurden die Objekte nach dem Trocknen exponiert und vor schwarzem Hintergrund digital fotografiert und wieder auf einen Haufen geworfen.

Alle umgestülpten Verpackungen wurden zum Schluss in einer öffentlichen Performance über den Balkon der Galerie in den Innenstadtraum von Bern geworfen. Mit dem Wurf in den Stadtraum waren die im Kunstraum gefertigten „Kunstobjekte“ zur öffentlichen Mitnahme bzw. zur Abholung durch die Müllabfuhr freigegeben. Statt der originalen Objekte bot die Galerie eine Fotoedition der Aufnahmen von den Objekte an.

Durch den komplexen und zugleich spektakulären Transformationsprozess „Das Wesen der Verpackung“ ist die Galerie zum poetisch-politischen Dialograum über eine prekäre Gegenwartsfrage geworden. Das Projekt nutzte den Galerieraum aber nicht nur als Gesprächsraum, sondern auch als Atelierraum, Fotostudio, Lager, Performance- und Ausstellungsfläche. Das Projekt adressierte sowohl kunstinteressierte als auch kunstferne, politisch und ökologisch interessierte Bürger/innen der Berner Stadtgesellschaft. Die Galeristin wurde zur Kommunikatorin und Moderatorin des Projekts in der Stadt und blieb zugleich Schaltstelle zum Kunstmarkt. Verkauft wurden die Abbildungen schöner Objekte, die durch den Transformationsprozess politisch aufgeladen waren.

 

DaMihi Ausstellung Das Wesen der Verpackung - ein Projekt von missing icons
„Das Wesen der Verpackung“ | Fotografie Tom Diener

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