Anomalìa (Black Hole)

Wandreliefbild

1. Platz
Offener mehrstufiger Kunstwettbewerb anlässlich des Neubaus der Fakultät für Informatik und Mathematik der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg
Staatliches Bauamt Regensburg

mi_regensburg_oth_web_rgb„Anomalìa (Black Hole)“ | Fotomontage missing icons

 

Entwurf 2017
Realisierung 2017

Wettbewerb

 

Auf der Stirnwand gegenüber dem Haupteingang des Neubaus der Fakultät für Informatik und Mathematik an der Ost-
bayerischen Technischen Hochschule Regensburg erscheint eine besondere, sich entziehende, dunkle, schwere, verdichtete Singularität, die in einen hellen Ereignishorizont eingebettet ist.

Ein schwarzes Loch ist die Anomalie schlechthin. Der Begriff stammt von altgriechisch anomalía = Unebenheit, Unregelmässigkeit. Anomalien sind Zustände, die vom Erwarteten, d.h. vom Berechneten und Programmierten abweichen. Sie werden immer dort erkennbar, wo mathematisches und informatisches Denken auf zuvor für unmöglich gehaltene oder sich entziehende Phänomene trifft. Mit Anomalía (black hole) wird eine unvorhergesehene Abweichung und ungreifbare Materialität in den Neubau der Fakultät für Informatik und Mathematik hineingeholt, die aus wissenschaftlichen Vorstellungsräumen sonst ausgeblendet bleiben.

Es gibt kein Bild von einem schwarzen Loch, nur Visualisierungen. Auch das Motiv für Regensburg ist selbstverständlich kein Abbild, aber es ist mehr als eine gewollte Visualisierung, da es selbst in einem unberechenbaren Prozess entstand: durch Aufbringung von Tusche auf einen stark saugenden, feuchten Kartongrund.

Die kleine Vorlage wird stark vergrößert auf ein Wandrelief aufgebracht, das den Licht- und Dunkelzonen des Ausgangs-motivs nachgeformt wurde und seine Sog- und Tiefenwirkung aus der Ferne nochmals steigert. In der Nahsicht werden abstraktere Farbstrukturen sichtbar, die u.a. durch die Übertragung auf den anderen Bildgrund (Putz) entstehen. Durch Aufsprühen und partielle Radierung von ultramarinen Tuschpigmenten auf das Wandrelief wird das Motiv farbig umgesetzt. Eine sich dem
Umgebungslicht anpassende Beleuchtung wird die Wand rund um die Anomalía stets in einer ähnlichen Helligkeit leuchten lassen, ohne dass sie dabei angestrahlt erscheinen wird.

Das Loch-Theorem wird somit in einem analogen Verfahren
realisiert. Das Black Hole Relief erinnert, wie die meisten kursierenden Visualisierungen, an das menschliche Auge, d.h. Pupille und Iris. Es changiert magisch-auratisch zwischen Illusion und Wirklichkeit, zwischen Abstraktheit und konkreter Assoziation und entfaltet eine Sogwirkung quer durch das Foyer. Aus der Nähe fasziniert es durch seine völlige farbige Abstraktheit. Und noch von der Seite gesehen wird es anziehend wirken, da die
Mischung aus leichtem Hoch- und tieferem Basrelief dem
Bildraum eine – reale – anamorphotische Wirkung gibt.

 

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„Anomalìa (Black Hole)“ | Fotomontage missing icons