Anomalìa (Black Hole)

Wandreliefbild. Putzrelief, Kreideleimgrund, Lapislazuli-, Smalte-, Indranthenblau- und Miloriblau-Pigmente, sensorgesteuerte Beleuchtung, 350 x 740 x 9 cm

1. Platz
Offener mehrstufiger Kunstwettbewerb anlässlich des Neubaus der Fakultät für Informatik und Mathematik der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg
Staatliches Bauamt Regensburg

mi_regensburg_anomalia_webAnomalìa (Black Hole) | Fotografie Stefan Kiefer

Entwurf und Realisierung 2017

OTH Regensburg | Fakultät IM
Universitätsstr. 31
93053 Regensburg

Wettbewerb

 

Auf der Stirnwand gegenüber dem Haupteingang der Fakultät Informatik und Mathematik erscheint eine hoch verdichtete und sich zugleich entziehende Singularität, eingebettet in einen helleren Ereignishorizont. Das Motiv wurde auf einem minimalen Putzrelief in einem eigens entwickelten Verfahren realisiert, bei dem die Wand sukzessive mit tausenden Farbsprenkeln verschiedener Blaupigmente überzogen wurde. Die Farbverdichtung im Zentrum erscheint aus der Distanz schwarz.

Anomalía (Black Hole) bringt eine nicht vorgesehene Abweichung und eine ungreifbare Materialität in die Fakultät für Informatik und Mathematik. Der Begriff selbst stammt von altgriechisch νωμαλία / anomalía = Unebenheit, Unregelmäßigkeit. Anomalien sind Zustände, die vom Erwarteten, d.h. vom Berechneten und Programmierten abweichen. Sie werden dort erkennbar, wo mathematisches und informatisches Denken auf zuvor für unmöglich gehaltene oder sich entziehende Phänomene trifft. Schwarze Löcher sind eo ipso Anomalien. Es gibt kein Bild von ihnen, sie können immer nur ex negativo wahrgenommen werden, d.h. durch das, was sie verdecken, oder momenthaft durch das, was sich ihnen nähert und in sie stürzt.

Das Wandreliefbild in der OTH schwankt zwischen Theorie, Illusion und Wirklichkeit. Die Motivvorlage entstand durch gezielte Farbmaterieverdichtung: Tusche wurde mit einem Pinsel auf feuchten Karton getupft und saugte sich dabei sichtbar tief in den Untergrund. Auch die Vergrößerung der kleinen Vorlage ist eine Farbmaterieverdichtung, die durch vielfache Überlagerung von Farbsprenkeln auf der Wand gearbeitet wurde.

Das Wandreliefbild ist ebenso konkret wie abstrakt. Aus der Ferne entfaltet Anomalía (Black Hole) eine illusionistische Sogwirkung quer durch das Foyer. Aus der Nähe werden die unzählbaren Blausprenkel sichtbar, aus denen sie gefügt ist. Dazu tritt die Wirkung des leichten Reliefs. Insbesondere von der Seite aus gesehen erscheint die Wand deformiert und leicht geöffnet, wirken die Tiefen tiefer und die Höhen lichter.

 

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„Anomalìa (Black Hole)“ | Fotografie Stefan Kiefer