DIE ANDEREN

Bild-Objekt-Schwarm. Papier, Hautleim, Kreide, Acrylfarbe, Maße variabel

Ausstellung

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Die Anderen (Detail), Fotografie missing icons

 

Eröffnung 14. 10. 2017, 19 Uhr
Ausstellung 15. 10.– 11.11.2017

Kunstverein Kohlenhof
Grasersgasse 15/21
90402 Nürnberg

 

Nach dem Durchqueren des Eingangsbereichs des Kunstvereins Kohlenhof tritt man im hinteren Raum in einen Bannkreis aus leeren Blicken. Hunderte Augenpaare schauen den eintretenden Besucher/innen entgegen, umringen sie und lassen sie nicht mehr los. In einem Schwarm ziehen sich Papiermasken in allen Formaten und immer anderen Grau-Schattierungen über die Wände des Ausstellungsraums. Sie hängen in schiefen und springenden Linien, gelegentlich verdichtet, dann wieder zerstreut und heben die Stabilität des Raumgefüges optisch auf. Der Boden beginnt zu schwanken.

„Die Anderen“ konfrontiert mit extrem ambivalenten Sachverhalten: Die blicklosen Augenpaare zeugen einerseits von einer unendlichen Vielfalt – von Menschen, Tieren, unbekannten Wesen. Sie mahnen dabei an Hoffnungen wie Scheitern und tausendfachen Tod. DIE ANDEREN weiterlesen

Anomalìa (Black Hole)

Wandreliefbild

1. Platz
Offener mehrstufiger Kunstwettbewerb anlässlich des Neubaus der Fakultät für Informatik und Mathematik der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg
Staatliches Bauamt Regensburg

mi_regensburg_oth_web_rgb„Anomalìa (Black Hole)“ | Fotomontage missing icons

 

Entwurf 2017
Eröffnung 26.10.2017

Wettbewerb

 

Auf der Stirnwand gegenüber dem Haupteingang des Neubaus der Fakultät für Informatik und Mathematik an der Ost-
bayerischen Technischen Hochschule Regensburg erscheint eine besondere, sich entziehende, dunkle, schwere, verdichtete Singularität, die in einen hellen Ereignishorizont eingebettet ist.

Ein schwarzes Loch ist die Anomalie schlechthin. Der Begriff stammt von altgriechisch anomalía = Unebenheit, Unregelmässigkeit. Anomalien sind Zustände, die vom Erwarteten, d.h. vom Berechneten und Programmierten abweichen. Sie werden immer dort erkennbar, wo mathematisches und informatisches Denken auf zuvor für unmöglich gehaltene oder sich entziehende Phänomene trifft. Mit Anomalía (black hole) wird eine unvorhergesehene Abweichung und ungreifbare Materialität in den Neubau der Fakultät für Informatik und Mathematik hineingeholt, die aus wissenschaftlichen Vorstellungsräumen sonst ausgeblendet bleiben.
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Innere Sicherheit | Fünf Gefahrenmuster

Fresken auf Glas

Endrunde
Kunst-am-Bau-Wettbewerb Bundesministerium des Innern – Außenanlagen
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

mi_berlin_bmi_web„Innere Sicherheit | Fünf Gefahrenmuster“ | Fotomontage missig icons

 

Entwurf 2017
Ausstellung Bundesamt für Bauen und Raumwesen | Berlin 2017

Wettbewerb

 

Über die fünf Panoramafenster der Konferenzräume 1 und 2 im Erdgeschoss des Bundesministerium des Innern ziehen sich „Gefahrenmuster“: Die Fresken auf Glas zeigen, nach innen wie nach außen, immens vergrößerte Glasbruchstellen und -kanten. „Innere Sicherheit“ führt so konkret wie abstrakt, so schön wie bedrohlich die Verkopplung von Freiheit, Sicherheit und Gefahr vor Augen. Die Bruchmuster zwischen Innen und Außen verweisen darauf, dass Freiheit keine Gegebenheit ist, die gesichert werden kann, sondern etwas, das umkämpft ist und für das immer neu Entfaltungsraum geschaffen werden muss.

„Innere Sicherheit“ beschäftigt die staatlichen Instanzen schon lange. Über die letzten Jahrzehnte haben sich die politischen Repräsentanten in Festungen zurückgezogen. Das Bundesministerium des Innern ist eine Enklave im eigenen Land geworden, die durch einen hohen Zaun geschützt wird und nur von befugten Personen kontrolliert betreten werden kann. Darüber hinaus greift ein geheimes Sicherheitskonzept.
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Enklave

Begehbare Skulptur

Vorrunde
Kunst-am-Bau-Wettbewerb Bundesministerium des Innern – Außenanlagen  
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

abbildung1_642137„Enklave“ | Fotomontage missing icons

 

Ausstellung Bundesamt für Bauen und Raumwesen | Berlin  2017
Entwurf 2016

Wettbewerb

 

Das Bundesministerium des Innern ist eine Enklave im eigenen Land. Es wird durch den 2,4 Meter hohen Designzaun „Moabit“ vom umgebenden Stadtraum abgetrennt. „Moabit“ verdeutlicht die Ambivalenz der europäischen Sehnsucht nach offenen
Grenzen: Aus einem günstigen Blickwinkel betrachtet gibt sich der Zaun nahezu unsichtbar, kommt man allerdings näher und blickt an ihm entlang, wird er opak und zeigt seine Undurchdringlichkeit. Durch die Vereinzelungsanlagen, zeitgenössische Varianten von Grenzstationen, gelangen ausschließlich diejenigen ins Innere, die sich als Mitarbeiter des Ministeriums ausweisen oder die eine gültige Einladung – ein Visum – vorweisen können.

Diese Maßnahmen schützen die Repräsentanten des Staates und behaupten doch Offenheit. Sie sind eine Folge der veränderten Vorstellung von Grenze, die sich spätestens mit der sukzessiven Aufhebung der stationären Grenzkontrollen innerhalb Europas ab Mitte der 1990er Jahre durchgesetzt hat. Wir träumen von einer grenzenlosen Welt, aber faktisch nehmen Grenzen und Kontrollen in allen Dimensionen zu. In der EU stehen jetzt Außen- und Binnengrenzen einander gegenüber. Während das – scheiternde – Schengen-Abkommen vorsieht, die EU-Außengrenze konventionell zu sichern und durch Abkommen mit vorgelagerten Drittstaaten für Nicht-EU-Bürger undurchdringlich zu machen, sind die Binnengrenzen vollkommen implodiert. Aus Grenzlinien sind in Zeit und Raum ausgedehnte Grenzgebiete geworden. An allen Bahnhöfen, Flughäfen, auf öffentlichen Plätzen und in urbanen Gefahrenzonen werden verschärft Personenkontrollen durchgeführt. Öffentliche (wie private) Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung und biometrische Ausweise sollen innere Sicherheit garantieren. Auch wenn EU-Bürgern der europäische Raum grenzenlos und freizügig erscheint, bewegen sie sich tatsächlich durch eine vielfach real und digital grenzgesicherte Realität.
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Europa. Besuch im Gehege

Komposition aus Verkehrsübungsplatz, Bildobjekt und Sound

TACHO Kreuzberg | Oase Verkehrsgarten | Berlin
Project Space Festival | Berlin

mi_berlin_tacho_web„Europa. Besuch im Gehege“ | Fotografie Christof Zwiener

 

Inszenierung 2016
Kurator Christof Zwiener

TACHO Kreuzberg

 

Der Verkehrsübungsplatz Oase ist eine aus der Zeit gefallene, unwirkliche, in Teilen verkleinerte und um sich selbst kreisende Welt, die durch einen Zaun vom umgebenden Stadtraum um das Kottbusser Tor abgetrennt ist. Durch das Hissen einer veränderten Europafahne und das Abspielen von Versuchen, die Europa-Hymne zu intonieren, wird die Oase zu einer begehbaren, surrealen Allegorie der Europäischen Union: Ein künstlich geschaffenes, umhegtes, gepflegtes Gebilde, dessen äußere Grenzen ebenso wie innere Entgrenzungen in der globalisierten Gegenwart prekär, strittig und gefährlich geworden sind.

Die gehisste Flagge ist kein eindeutiges Hoheitszeichen, kein wiedererkennbares Symbol. Sie ist ein imaginärer Raum, in dem das symbolische Azur der EU-Fahne zum Himmelsbild wird und ihr vollkommener Sternenkreis als Konstruktion freiliegt. Das Fahnenbild ist nie einfach sichtbar, sondern entfaltet sich nur unter günstigen Bedingungen. Es ist abhängig vom herrschenden Wind.
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Rolihlahla | Troublemaker | Unruhestifter

Mikroskulptur |  öffentliche Fassung | mikropolitischer Prozess

1. Platz
Kunstwettbewerb Nelson-Mandela-Platz
Stadt Nürnberg – Hochbauamt

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„Rokihlahla“ | Modell | Fotografie Nicole Matschoss

 

Entwurf März 2016
Realisierung 2018|19

art 07|2016
Die Welt | 29.04.2016
Wettbewerb

 

Rolihlahla = pulling the branch of a tree = troublemaker =
Unruhestifter war der erste Vorname Nelson Mandelas.
Das gleichnamige Kunstprojekt beginnt mit der Suche nach einer besonderen Mikroskulptur: In Südafrika wird ein wertvoller, klarer Rohdiamant mit Einschlüssen angekauft, die für die Verarbeitung in lupenreine Brillanten störend und wertmindernd wären. Sie sind Spuren von Jahrmillionen Erdgeschichte, in denen er adamantem (gr. unbezwingbar) verdichtet entstanden ist.

Für seine öffentliche Präsentation auf dem Nelson-Mandela-Platz wird der ca. 1,5 cm messende Diamant in einen 183 x 62 x 28 cm großen, optisch klaren Acrylglasblock eingegossen. Das Glas umfasst den Luftraum einer an Nelson Mandelas Körpermaßen orientierten, hochkant stehenden Box. Der atomare Aufbau von Acrylglas entspricht, wie der von Glas, vereinfachend gesagt, dem einer Flüssigkeit, so dass der Diamantkristall in einer vor der Kristallisation erstarrten Flüssigkeit schwimmt und von allen Seiten ansichtig ist.
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Das Wesen der Verpackung

Sammlung | Transformationsprozess | Performance | Ausstellung

1. Platz
Projektwettbewerb
Fondazione da Mihi | Bern | CH

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„Das Wesen der Verpackung“ | Fotografie missing icons

 

Realisierung Februar | März 2016
Galerie da Mihi | Bubenbergplatz 15 | CH – 3011 Bern

Fotoedition auf Instagram
Projekt-Website
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Das Wesen der Verpackung verkoppelt die Kunststoffverpackungsüberproduktion des globalen Warenmarkts mit der Produktion von hochpreisigen Kunstobjekten für den globalen Kunstmarkt. Das Projekt wurde von der Berner Fondazione da Mihi gefördert und fand in den Räumen der Galerie da Mihi sowie im Stadtraum Bern statt. Es begann mit der Sammlung der Ausgangsobjekte: entleerte, nutzlos gewordene Getränke-verbundstoffkartons. Sie wurden im Anschluss in Kunst verwandelt: Indem ihr Inneres nach Außen umgekehrt, umgestülpt wurde, entstanden aus den geometrischen Kartons eigenartige, wesenhafte Gebilde. Diese Verpackungswesen wurden in verschiedenen Posen fotografiert. Zuletzt wurden die umgestülpten Objekte in einer öffentlichen Performance vom Balkon der Galerie zurück in den Stadtraum geworfen, dort später eingesammelt und dem Recycling zugeführt. Im Galerieraum verblieben sie als mediale, auf Wunsch re-materialierbare Spuren: Aus einem digitalen Archiv können die einzelnen Motive aufgerufen und on demand als Fine-Art-Ausdrucke erstanden werden.

In jedem Haushalt fallen täglich Mengen an leeren, verbrauchten, überflüssigen Verpackungen an. Insbesondere hochwertige Verbundstoffe werden zu Abfall. Von den in Deutschland verbrauchten Verbundstoffgetränkekartons, weltweit nach dem schwedischen Original Tetra Pak genannt, werden lt. aktuellen Studien nur ca. 36 % dem Recycling zugeführt. Der Rest wird zumeist verbrannt, d.h. Herstellungsenergien, Transportenergien und kurzer Gebrauchswert lösen sich in Schadstoffemissionen auf. In der Schweiz fällt die Bilanz noch schlechter aus, weil die Kartons bislang nicht landesweit gesammelt werden und nur einzelne Sammel-Pilotprojekte des vom Schweizer Tochterunternehmen Tetra Pak angestoßenen, industrienahen Vereins Getränkekarton-Recycling laufen.
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Riss im Grund

Horizontale Skulptur

Sonderpreis der Jury
Endrunde Offener Kunstwettbewerb zur Erlangung
künstlerischer Entwürfe für das Haus der Zukunft | Berlin
BAM Deutschland AG

mi_berlin_hdz_web„Riss im Grund“ | Südplatz | Fotomontage missing icons

 

Entwurf 2016

Wettbewerb
Competitionline

 

Der Riss im Grund zieht sich als horizontale und prozessuale Skulptur real über die beiden Plätze vor und hinter dem Haus der Zukunft (jetzt Futurium). Er tritt streckenweise plastisch hervor und wird dann wieder zur Spur im Asphalt und läuft imaginär unter dem Haus der Zukunft weiter.

Das Haus der Zukunft entsteht in einer Zeit, in der weltweit die katastrophalen ökologischen wie sozialen Effekte des modernen Profit- und Fortschrittsstrebens täglich eindringlicher spürbar werden. Neben der drohenden Klimakatastrophe eskalieren die gewalttätigen Konflikte, die zu einem großen Teil aus der historisch bedingten Aufteilung der Welt und den globalen Ungleichzeitigkeiten des Fortschrittsprojekts resultieren.
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Kein Bild Keine Geschichte

Video-Sound-Installation

Galerie cubus-m | Pohlstraße 75 | Berlin

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„Kein Bild Keine Geschichte“ | Fotografie missing icons

 

Ausstellung 2015

 

Der zweite Fünfjahresplan der Volksrepublik China wurde von Mao Zedong ausgesetzt zugunsten des „Großen Sprungs nach vorn“, der China mit Hochgeschwindigkeit auf das Niveau der westlichen Industriestaaten heben und alle Ungleichheiten im riesigen Land aufheben sollte. Das Gegenteil trat ein. Dramatische Misswirtschaft, blinder Kadergehorsam und eine Dürre kosteten in den drei Jahren vor Abbruch des Programms 50 Millionen Chinesen das Leben. Dass dieser menschenverachtende Irrtum so lange aus der Weltgeschichte ausgeblendet war, verdankt sich der Bildpolitik im totalitären China: Was nicht sein konnte bzw. durfte, hinterließ keine dokumentarischen Spuren. Noch heute finden sich nur wenige Fotografien, die das Massensterben im Land zeigen. Dagegen gibt es eine ungeheure Fülle von strahlenden Agitprop-Bildern über die Ziele und das Gelingen des „Großen Sprungs nach vorn“.

Die Video-Sound-Installation blendet alle Bilder aus und umreißt in Buchstabe für Buchstabe auftauchenden, lakonisch verdichteten Sätzen die aberwitzige Verquickung von Hoffnung, Anmaßung und grausamen Fakten. Ein dürrer, rieselnder Soundtrack belgeitet das Erscheinen der Schrift und prägt jedes einzelne Wort auf dem halbtransparenten, billigen Kunststoffhintergrund für einen kurzen Moment tief ein.